Habe ich da was verpaßt?
Jan 20th, 2010 | By MH | Category: Tagebuch, aktuelle PolitikOder
Weihnachten und Sylvester fallen dieses Jahr zusammen
oder
Soll ich mich in die Anstalt einliefern lassen?
Oder einfach ein Reisebericht?
Oder Lebensweisheiten verstreuen?
Wie ich auf die Überschrift komme? Naja, so geht das halt. Irgendeine wird dann schon passen. Weil, politisch ist nichts zu berichten bis zum Arschermittwoch. Da beißen sich schon genug andere Komiker die scharfen Zähne stumpf.
Über das Wetter spricht der feine Mann nicht.
Witze können die in der Anstalt besser machen. Bitte? Welche Anstalt ich meine? Na die mit Dr. Pirol als Chef und Herrn Stramm als Kautz, äh Couch, nee Coach, mit dem zweiten Auge zu sehen, wenn man sowas hat. Ein Freund von mir, ein Schweizer Pazifist, hat mal seine Flinte über das Knie gebrochen und sie dann ins Korn geworfen, so kam er in die Klapsmühle, und fand das wunderbar. Lauter kluge Leute da, die einfach abgehauen sind aus diesem sinnlosen Dasein. Sein Wehrdienst war damit beendet.
Und wir? Wir können uns ja schon lange nicht mehr wehren, weil nach jeder Wahl geht man schiefer, warum könnte man dann nicht wie oben einfach den Dienst freiwillig quittieren und in die Klapsmühle gehen, wo alle klarer sind als die, die so reden wie die Herr Stramm und Pirol, es aber nicht so meinen wie die….Diedie Allerorten (jetzt bin ich aber gespannt, wer mir da noch folgen kann, Einsendeschluß 31. März Stunde Null Uhr).
Wo bin ich denn schon wieder? Vor kurzem war ich noch in Lissabon. Hatte einen Vertrag gemacht mit Madam, und den dann aber auch in die Tat umgesetzt. Ich meine es ernst mit Europa.
Also Reisebericht? Na bitte, wenn Sie meinen. Da muß ich aber zurückgreifen ins vergangene Jahr, wäre das recht? Gut. Da war nämlich Weihnachten. Dazu habe ich mich nicht geäußert, weil ich auf nächste Weihnachten warte, dann kann ich einen Uraltartikel nochmal anbieten, das merkt der Chef doch gar nicht mehr, oder ? Den über Bücher, die man nicht gelesen hat z,B.? Ach, der ist im Archiv, zu dumm. Ich sollte meine Artikel also nur zur Veröffentlichung freigeben, aber nicht zum archivieren. Wer kann denn schon immer wieder was neues schreiben? Die wiederholen sich doch allesamt nach kürzester Zeit. Ich nie, nie, nie. Goethe schon. Also den Reisebericht, kommt ja schon, bitte sehr, bitte gleich.
In Wahrheit ist es eine biblische Geschichte, der Flucht aus Ägypten ähnlich, nur daß wir selbst Ochs und Esel waren, weil wir am Fluchthafen feststellen mußten, daß da schon eine Massenflucht im Gange war. Was war denn bloß los? Na ja, zugegeben, diese Festtage vorher waren schon der Horror. Ein halber heiliger Tag, zwei ganze heilige Feiertage und dann noch ein voller gesetzlich geheiligter Sonntag draufgedonnert, das ist zu stark, wie Heinrich von Kleist den Oberst Dings, na, Otto Sander hat ihn damals an der Schaubühne gegeben und für diesen Satz aus vier Worten einmal die Bühne hin, auf den Prinzen von Hamburg zu mit „das ist…“ und wieder zurück wo er herkam und dann erst ,“…zu stark“, das war stark, das schafft heute kein Schauspieler mehr, der würde glatt verhungern. Oh Pardon ich schweife ab.
Mich machte der Brief eines Freundes aus Frankreich ganz neidisch, weil er, wie er selbst sagte, als Deutscher inmitten eines der glücklichsten Völker der Welt leben darf. Zwar ist der heilige Abend dort erst nach 20 Uhr gemäßigt heilig, und an einem Sonntag, da kann man bis Mittag immer noch problemlos Brot und Wein außerhalb der Kirche erstehen, und ein erster Feiertag ist nichts besseres als ein Sonntag, und die zweiten Feiertage wurden schon 1789 gestrichen. Er also mußte zwar arbeiten an diesen heiligen Tagen, durfte aber dafür dann einkaufen, wann und wozu er Lust hatte, wenn er dafür nicht allzuspät aus dem Bette kam.
Wie war es bei uns, erinnert ihr euch, oder wart ihr auch schon auf der Flucht? Früher oder später sind wohl fast alle geflohen, scheint mir, also weiter im Text. Was mußten wir? Austern und Fasanen und Schampanier bunkern wie nach 45, um wenigstens was im Haus zu haben. Aber für vier Tage??? Wir, völlig abgebrannt dann an dem Sonntag, der ja nicht mal mehr ein Feiertag war, mußten in eine völlig überbelegte Notaufnahme flüchten zu einem netten Italiener, (Adresse auf Anfrage), der dann irgendwo zwar noch Trüffel zu Spaghettis auftrieb, was soll man machen, also haben wir uns damit begnügen müssen, in Gesellschaft von guten Freunden und gutem Wein. Besser als gar nichts. Übrigens sind die amicos so nett, wenn da mal Not am Mann und Frau ist, kann man da jederzeit, die lassen einen zwar sitzen, aber sonst ist alles paletti.
Sowas kann man nicht zweimal in einer Woche erleben, also wollten wir flüchten, nicht nach Ägypten, da waren wir zu der Zeit, da ein große Schätzung im Lande war…pardon, falscher Text, nein, wir wollten nach Bonn, nee, Lissabon, in Portugal. Den Grund habe ich schon oben erwähnt. Und diese Flucht wäre uns beinahe mißlungen, wie furchtbar. Es ist ein Schnee gefallen, und wir hatten nicht viel Zeit, die ganze Zeit wars doch trocken und warm hier gewesen, und ausgerechnet an unserem teuer erkauften Fluchttag will uns der Himmel einen Strich auf die Rechnung hauen, wozu das, frage ich, gibt es keinen Verwalter mehr da oben, der dieser Frau Holla auf die Finger haut, bevor sie auf die Kissen haut? Mit etwas Glück und Bestechung und nach Überleben der Agressionen einer solchen Mordsschlange, wie sie nicht mal in Amazonien vorkommt, konnten wir in letzter Sekunde aus der brennenden Stadt…das reicht? Gut.
Aber es kommt noch besser. Nein wirklich. Nach einer quasi Notlandung auf Mallorca, wo ich freiwillig nicht einmal abstürzen möchte, und anschließendem Zwangsaufenthalt in einem Firstclasshotel – das verdanken wir diesem Nike Lauda mit seiner depperten Airline, die einfach keine Berliner an Bord haben wollte, nur Wiener, und also ohne uns praecox abflog – mit Klasseaussicht auf die wunderschöne Kathedrale von Palma de Mallorca, und die Altstadt ist auch nicht ohne, ohne Touristen, und die Sonne lachte und wärmte die vereisten Herzen der Gestrandeten, und man gab ihnen Speise und Trank und einen Funken Hoffnung, am nächsten Tag das Land zu sehen, in dem Vinho verde und Porto fließt.
Die Prophezeiung trat ein, aber wir verpaßten Sylvester, es gab zwei Feuerwerke, aber wie schon gesagt, wir waren als Esel und Rindviech in dem Spiel besetzt, und keines konnte sich entscheiden, von welchem Haufen es fressen möchte. Soweit das zu der diesbezüglichen Überschrift.
Danach aber gings bergauf. Lissabon hat sieben Hügel, wie Rom, bloß daß das für Lissabon auch stimmt. Die Römer, die spinnen ja. Und Lissabon ließ Stück für Stück die Schleier fallen, die diese prachtvollen Rundungen verhüllten, nach Art aller verschämten Schönheiten des katholischen Mittelmeerraums, und bot reizende Ausblicke auf mehr Busen, Pardon, Meerbusen, die doch recht auslandend und einladend sind. Wir saßen am Tisch mit Herrn Pessoa, dem die allfälligen Schauer, die uns über den Leib liefen, offenbar nichts ausmachten, vielleicht, weil er aus Eisen ist.
Die schönen Tage von Aranjuez sind nun vorüber…meint Schiller. Oder war es Goethe? Doch eher Schiller, der Stimmung nach.
Der Berliner Winter hat uns wieder fest in seiner Schnauze. Wat haste denn? Denn zisch doch ab, mach die Mücke oder Flieje (nein, nein, bitte nein, fliegen niemals wieder zur Hochsaison), oder haste ne Meise (mehrere, wir haben Meisenfutter in den Apfelbaum gehängt), also wattnnu? Na, ich wollte doch noch ein paar Lebensweisheiten ablassen, geht das? Nicht? Na dann zu Schluß wenigstens noch das Orang-Utang-Prinzip, nein, nicht Coelho, das heißt auf portugiesisch Kaninchen, wissen das die Leser? Nein, aus dem Buch (auf Anfrage)..
Also, der Orang-Utang sitzt, hat einen Salat auf dem Schoß, von dem reißt er ein Blatt ab und legt es sich auf den Kopf. Dann sitzt er und guckt uns an. Dann nimmt er das Salatblat vom Kopf. Sitzt, guckt. Dann legt er das Salatblatt wieder auf den Kopf. Sitzt und guckt. Dann….und so weiter.
Was will er uns damit sagen?
Da habt ihr den Salat.
Mit freundlicher Unterstützung von
MH


Netter Artikel! Weiter so!